Selbstbezogenheit

LIQUI MOLY-Geschäftsführer Ernst Prost warnt vor zu geringer Konzentration auf das Kundeninteresse

Liebe Kolleginnen und Kollegen.

Neben der Arroganz sehe ich die Selbstbezogenheit (wenn der Kunde stört....) als die größte Gefahr für erfolgreiche Unternehmen. Die einen glauben, sie sind die Größten, und die anderen beschäftigen sich nur noch mit sich selbst, weil sie glauben, der Erfolg kommt automatisch und wird für immer und ewig bleiben.


„Tut mir leid, Herr Müller ist in einem Meeting“. Kann ja mal passieren oder sogar notwendig sein, aber wenn dies die Standardantwort ist, wenn ein Kunde Gesprächsbedarf hat, ist der Laden falsch aufgestellt. Meetings, Konferenzen, Geschäftsreisen, Abstimmungsgespräche und Ähnliches bestimmen laut einschlägigen Studien bis zu 90 % der Zeit von Führungskräften. Auweia. Das Wort Geschäftsführer sollte eigentlich bedeuten, die Geschäfte zu führen.... Und Geschäfte macht man mit Kunden. Gilt nicht nur für Geschäftsführer, sondern für alle....

In Bürokratie und Verwaltung sind wir Deutschen Spitze. Kann nicht schaden – muss man aber auch nicht übertreiben. Wer seine Kraft mit Bürokratie vergeudet, dem fehlt sie bei der Arbeit mit Kunden und bei der Auseinandersetzung mit der Konkurrenz.... Ich sehe eine große Selbstbezogenheit in vielen Unternehmen – teilweise auch in unserem eigenen. Ein großes und langatmiges Hin und Her – ähnlich dem eines schwerfälligen Konzerns oder gar einer Behörde. Bringt uns aber überhaupt nichts. Beschäftigung mit uns selbst stellt keine Leistung dar, es bringt keinen Nutzen für den Kunden und führt schon gar nicht zu Erfolgen. Erfolg bringt ausschließlich nur die Außenwirkung hin zum Geschäftspartner, zum Kunden und hinein in die Märkte. Interne Meetings, seitenlange Organisationsanweisungen und Ablaufbeschreibungen, umständliche Vorgehensweisen, stundenlange Konferenzen oder elendes E-Mail Pingpong mit Anschuldigungen und Rechtfertigungsversuchen langweilen, stehlen Zeit und erzeugen Frust. Und dann kann es schon mal passieren, dass der Kunde nur noch stört und die Firma viel zu lange braucht, um seine Wünsche zu erfüllen, wenn es da überhaupt noch jemanden gibt, der zuhört.....
Es sind ja alles keine Zufälle, die einem Unternehmen den Misserfolg bescheren oder zum Erfolg verhelfen. Es ist die harte und konzentrierte Arbeit. Die Außenwirkung, anstatt der Selbstbezogenheit, die Schnelligkeit, anstatt der Trägheit und die Bereitschaft aller im Unternehmen, wirklich gute Arbeit abzuliefern, anstatt sinnlos zu debattieren und das Rechthabereispiel zu spielen. Organisation, Struktur, Systeme und Ordnung müssen sein – keine Frage. Aber genauso Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, die Lust am Verkaufen und vor allem eine uneingeschränkte Kundenorientierung, anstatt gesteigerter Selbstbezogenheit und firmeninterner Spielereien. Wenn jemand tagelang auf Antwort warten muss, nur noch der Anrufbeantworter spricht und die Verantwortlichen von einem Meeting zum anderen springen, nützt der beste Organisationsgrad nichts. Es muss schon noch Zeit bleiben für die Geschäfte und für einen 100 %-igen und liebevollen Kundenservice, inklusive persönlicher Beziehungspflege und aktiver Verkaufsarbeit. Es gilt in Firmen, die Kultur des Unternehmertums innerhalb der gesamten Mannschaft aufrechtzuerhalten und nicht die des Behördentums.

Wenn alle Kolleginnen und Kollegen in einer Firma – in unserem Falle 1.000 Mitunternehmer – etwas unternehmen, um voranzukommen, Kosten zu drücken, Umsätze und Erträge zu vermehren, Qualität und Leistung zu verbessern, um die Kunden zu begeistern - dann bleibt das Unternehmen gesund und erfolgreich, aber nur dann...

In einem Satz: Der Kunde ist König, um ihn müssen wir uns kümmern, weil von ihm bekommen wir unser Geld.

Herzliche Grüße

Ihr

Ernst Prost